Dienstag, 30. Januar 2018

Deutsche Deppen: Wolfgang Kubicki (FDP)

Daß linke und rechte Parteien wie die Linke, die SPD und die AfD offen und nachdrücklich putinistische Positionen vertreten, ist längst trauriger Alltag geworden. Daß diese Positionen jetzt aber auch in der politischen Mitte ganz offen artikuliert werden, erschreckt doch. Wolfgang Kubicki, immerhin stellvertretender Vorsitzender der FDP, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Aufhebung der gegen die Kriegsführung Rußlands in der Ukraine gerichteten Sanktionen gefordert, denn man müsse über gemeinsame Interessen reden. Die politische Klasse dieses Landes scheint flächendeckend bereit zu sein, sich zu prostituieren, solange der Preis nur hoch genug ist.

Berliner Zeitung, 22.01.2018, S. 4*.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Deutsche Deppen: Jakob Augstein

Jakob Augstein: Rußland-Bild des Westens. Putin, die Waldhexe In einem Artikel auf Spiegel online erklärt Jakob Augstein (SPD), Zeitungsherausgeber mit linksextremistischen und antisemitischen Tendenzen, daß die deutsche Öffentlichkeit Rußland und die USA mit zweierlei Maß messen würden. Damit hat er natürlich recht: Seit einem Jahr schießen die deutschen Medien ununterbrochen aus vollen Rohren auf Trump, während Putin nur ab und zu feigenblattmäßig erwähnt wird. Augstein aber sieht das ganz anders. Für einen linken Propagandisten wie ihn sind auch diese wenigen Erwähnungen noch zu viel und gibt es nur einen wirklichen Feind: die USA. Nach dieser Logik bleibt für Putin nur eine Rolle: die als Verbündeter. - Traurig ist, daß der Spiegel solch unverblümten Putinisten ein Forum bietet.

Spiegel online 25.10.2017

Putins Rußland: Zensur

Inzwischen geht das Regime schon ganz offen zur Zensur über. Das Innenministerium weist in Moskau Druckereien an, keine Publikationen - Bücher, Broschüren, Flugblätter usw. - zu drucken, die Vertreter der Machtorgane der Russischen Föderation und Politiker "diskreditieren", Agitationscharakter tragen und zu Veranstaltungen zu den "Präsidentschaftswahlen" im März 2018 aufrufen, die nicht vom Regime genehmigt wurden. Sollten bei den Druckereien entsprechende Aufträge eingehen, sollen diese Aufträge beim Innenministerium gemeldet werden.

Siehe das entsprechende Schreiben des Innenministeriums, publiziert am 26.12.2017 auf Echo Moskwy.

Dienstag, 21. November 2017

Putins Rußland: Schießereien in Moskau

An dieser Stelle werden Vergehen mit Einsatz von Schußwaffen in Moskau dokumentiert.
  • 18.11.2017 Im Turm "Oko" ("Auge") in Moscow City kam es zu einer Schießerei zwischen den Leibwächtern eines russischen businessman, Gawriil Juschwajew, und den Wachleuten der Feier eines anderen russischen businessman, Dmitrij Pawlow, wobei sich unter letzteren auch Angehörige der russischen Nationalgarde, also staatliche Sicherheitskräfte, befanden. Es gab Verletzte und einen Toten. Über die Hintergründe wurde nichts bekannt. - Siehe u. a. Эхо Москвы 18.11.2017.
  • 14.11.2017 In der Selbstbedienungsgaststätte Mu-Mu, ул. Новослободская 34/2, Ecke ул. Палиха, überfielen drei Bewaffnete in Skimasken einen Besucher und beraubten ihn einer Tasche mit 110.000 US-$, wobei geschossen wurde. - Siehe u. a. RBK 15.11.2017.
  • 27.12.2017 Bei einer Schießerei auf dem Gelände der Konditorei-Fabrik "Menschewik" im Südosten Moskaus (Ilowajsker Straße 20, Gebäude 1), die beim Eintreiben von Schulden oder beim Versuch der räuberischen Übernahme der Firma begann, starb ein Mensch und wurden drei Personen verwundet. - Siehe Echo Moskwy 27.12.2017, den Kommentar von Julia Latynina auf Echo Moskwy 27.12.2017 und den Bericht in der Новая Газета vom 27.12.2017.
  • 30.12.2017 Zwischen Besuchern einer Bar in der Никольская улица im Stadtzentrum entbrannte ein Eifersuchtsstreit, in dessen Verlauf einer der Streitenden, ein 26jähriger aus der russischen Teilrepublik Mari El, eine Waffe zog und eine 23jährige Frau und ihren 29jährigen Begleiter mit Schüssen verletzte. Der Zustand der Frau, der der Täter sechsmal in den Kopf schoß, ist kritisch. - Siehe Echo Moskwy vom 31.12.2017, Nachricht 1 und Nachricht 2.

Mittwoch, 2. August 2017

Deutsche Deppen: Ost-West-Gesellschaft

Zu den entschiedensten Putinisten in Deutschland gehören die Aktivisten des Vereins West-Ost Gesellschaft Baden-Württemberg (verwendet auch das Pseudonym "Rußlandbrücke"). Sie verbreiten nicht nur vorbehaltlos die abstoßendsten Lügen des Putin-Regimes weiter, sondern scheuen sich nicht einmal, demonstrativ die Sanktionen der EU hinsichtlich der okkupierten Krim zu brechen, wodurch sie sich jetzt ein Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zugezogen haben. (Und so weit muß man die in Richtung Rußland blinde deutsche Justiz erst einmal bringen.) Vorsitzender des Vereins ist der linke Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss (früher SPD, dann Piraten).

Internetseite des Vereins

Mittwoch, 17. Mai 2017

Putins Rußland - Lied "Мой Путин"

Dieses Lied entstand bereits 2014, fehlt aber noch in dieser Sammlung hier. Es heißt "Mein Putin", auch das Lied der aus Nowosibirsk stmamenden ausführenden Person mit dem Pseudonym "Maschani" ist sehr sehenswert, man beachte die Gegenüberstellung der "russischen" und der "ukrainischen" Variante der Sängerin:
Video des Liedes "Mein Putin" auf YouTube, eingestellt am 29.01.2015


Siehe auch

Mittwoch, 8. März 2017

Okkupierte Krim: Wassermangel

Die Новая Газета (Neue Zeitung) berichtet vom fortdauernden Wassermangel auf der Krim, der sich vor allem im Norden der russisch besetzten ukrainischen Halbinsel verheerend auswirkt. Da sich die Besatzungsmacht weigert, für das aus aus der Festlandsukraine per Kanal gelieferte Wasser zu zahlen, wurde der Wasserzufluß abgesperrt. Seitdem nimmt die Versalzung des Krim-Nordens zu und die Möglichkeiten für landwirtschaftliche und industrielle Produktion ab. In einigen Orten ist bereits das aus dem Wasserhahn kommende "Trinkwasser" salzig. Die Reaktionen von Vertretern der Besatzungsmacht schwankt zwischen Leugnung des Problems und Plänen, die Bevölkerung der Nordkrim auszusiedeln.

Новая Газета 08.03.2017

Mittwoch, 11. Januar 2017

Deutsche Deppen: Der Spiegel

Unabhängig davon, wie aggressiv, rücksichtslos und menschenverachtend das Putin-Regime im eigenen Land und in anderen Staaten agiert - von den deutschen Medien wird es weiterhin mehrheitlich verteidigt und unterstützt. Ein gutes Beispiel ist das letzte Heft des Jahres 2016 von "Spiegel Geschichte", das den Titel "Russland" trägt und unter diesem Titel - wen wundert es? - auch die Ukraine abhandelt. Auf welche Weise der Autor, der Putinist Uwe Klußmann, dabei im besten Kreml-Stil fälscht und manipuliert, deckt die Internetseite stopfake.de in einer ausführlichen Analyse vom 18.12.2016 auf: http://stopfake.de/spiegel-heft-russlandgeschichte/.

Donnerstag, 24. November 2016

Putins Rußland: "Rußlands Grenzen enden nirgends"

Am 24. November erklärte W. W. Putin ganz offen: "Rußlands Grenzen enden nirgends." Er fügte hinzu: "Das ist ein Scherz." Rußlands Nachbarn wissen, warum sie besonders vorsichtig werden, wenn Putin zu scherzen beginnt.
rbk.ru 24.11.2016; TASS 24.11.2016

Donnerstag, 18. August 2016

Putins Rußland: Verlust des Gewaltmonopols

Eines der wichtigen Charakteristika eines funktionierenden neuzeitlichen Staates ist die Durchsetzung des Gewaltmonopols. Die nach innen gerichtete Putin-Propaganda verweist dementsprechend ununterbrochen darauf, daß Putin das Chaos und die allgemeine Gewalt der 1990er Jahre beendet habe. In der Realität allerdings gelingt es dem Regime immer weniger, das Gewaltmonopol aufrecht zu erhalten. Das betrifft nicht nur die Dauerkriegsregion Kaukasus, sondern zunehmend auch andere Regionen des Landes, den Großraum Moskau eingeschlossen. An dieser Stelle sollen in Folge gewalttätige Übergriffe gegen staatliche Einrichtungen dokumentiert werden.

  • Am 17.08.2016 überfielen zwei Tschetschenen aus dem Kreis Atschcha-Martan, Republik Tschetschenien, einen Posten der Verkehrspolizei nahe dem Ort Balaschicha, wenige Kilometer östlich von Moskau, mit Äxten. Sie verwundeten zwei Polizisten, bevor diese die Angreifer töten konnten. (Kommersant 18.08.2016.)

Sonntag, 31. Juli 2016

WWP: Gandhi

Bei einer Pressekonferenz am 4. Juni 2007 antwortete W. W. Putin auf die Frage des "Spiegels", ob er sich für einen "lupenreinen Demokraten" hält:
"Ob ich ein lupenreiner Demokrat bin? Natürlich, ich bin ein absoluter und reiner Demokrat. Aber wissen Sie, worin das Problem besteht? Oder nicht einfach ein Problem - eine wirkliche Tragödie? Darin, daß ich der einzige bin, Andere dieser Art gibt es auf der Welt nicht. [...] Nach dem Tod Mahatma Gandhis gibt es niemanden, mit dem ich sprechen könnte."

Der Kreml hat die Originaltranskription der Pressekonferenz inzwischen von seiner Seite gelöscht. Es gibt aber etliche Kopien und Übersetzungen ins Englische im Internet. Im deutschen Internet fehlt das Zitat weitgehend.

Sonntag, 17. Juli 2016

Rußlands Krieg gegen die Ukraine: Bellingcat-Berichte

Am 17. Juli 2014 schossen russische Truppen das zivile Flugzeug MH-17, die Boeing einer malaysischen Fluglinie, ab. Seitdem ist der russische Propagandaapparat damit beschäftigt, die Beteiligung russischer Truppen an diesem Verbrechen zu leugnen und die Schuld der Ukraine zuzuschieben. In der mittel- und westeuropäischen Öffentlichkeit - bei vielen Medien, Politikern und einfachen Bürgern - war und ist die russische Propaganda damit sehr erfolgreich. Deutsche Medien zum Beispiel weigern sich bis heute anzuerkennen, daß der Abschuß durch russische Truppen erfolgte.

Die Gruppe, die wohl am meisten dazu beigetragen hat, die Verantwortung Rußlands für das Verbrechen lückenlos nachzuweisen, ist Bellingcat (siehe die Internetseite). Sie publiziert ihre Ergebnisse in Berichten, die - wenig verwunderlich - von den deutschen Medien weitestgehend ignoriert werden. Der neueste Bericht erschien am 15.07.2016 und befaßt sich unter anderem damit, daß die Photographien, die Rußland als Beweise vorgelegt hat, gefälscht sind. Der Bericht wurde, wie immer, auf der Internetseite der Gruppe publiziert und steht in englischer und russischer Sprache zur Verfügung.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Rußlands Krieg gegen die Ukraine: Kertscher Brücke

Mit dem Bau einer Brücke über die Meerenge bei Kertsch, die das Schwarze mit dem Asowschen Meer verbindet, will das Putin-Regime den Zugang der okkupierten Halbinsel für eigene Truppen, Sicherheitsorgane sowie den Privatverkehr, vor allem Handelsgüter und Touristen, verbessern.

Den geplanten Verlauf der Brücke kann man hier sehen
Das Satellitenbild ohne Eintragungen gibt es auf google.maps hier.

Wie zu erwarten, dient das Projekt in erster Linie dazu, Staatsgelder in großem Umfang in Privattaschen zu leiten. Dementsprechend kommt es immer wieder zu Problemen und Verzögerungen, die fortan hier dokumentiert werden sollen.

05.07.2016: Die Eröffnung der Brücke für den Autoverkehr wurde auf den 18.12.2018, für den Eisenbahnverkehr auf den 01.12.2019 verschoben (Verfügung der russischen Regierung).

22.02.2017: Die Kosten für den 8,6 Kilometer langen Anschluß der Kertscher Brücke an die nächstgelegene Hauptverkehrsstraße "Taurien" auf der Krim wurden von Roman Starowojt, dem Chef der Bundesstraßenagentur der Russischen Föderation (Rossawtodor) auf 7,1 Mrd. Rubel beziffert. Die Fertigstellung des Anschlusses soll zusammen mit der der Brücke im Dezember 2018 erfolgen. Ausführende Firma ist die AG "WAD" (Abkürzung für "Hochqualitative Autostraßen") mit Sitz in St. Petersburg. (Siehe interfax und kasparow.ru.)

16.05.2018: Am Morgen dieses Tages wurde der Auto-Teil der Kertscher Brücke für den allgemeinen Verkehr geöffnet. Die Eröffnung des Eisenbahn-Teils ist für 2019 geplant. (Эхо Москвы 16.05.2018.)

Freitag, 17. Juni 2016

Putins Rußland: Neue Pionierorganisation

Am 29. Oktober 2015 publizierte Putin seinen Erlaß "Über die Schaffung der Allrußländischen gesellschaftlich-staatlichen Kinder- und Jugendorganisation 'Russische Schülerbewegung'" (nachzulesen hier). Während andere Erlasse nur Teil der Medienarbeit sind und nach ihrer Verkündung umgehend vergessen werden, gelangte dieser zur Ausführung. Die "Bewegung" wurde gegründet und präsentiert sich mit eigener Internetseite. Zweck der "Bewegung" ist die "patriotische Erziehung" und "Selbstverwirklichung" der Schüler auf der Grundlage der "der rußländischen Gesellschaft eigenen Werte".

Regionale Abteilungen entstehen, wobei die Leitungspositionen der Regionalabteilungen nicht von den Mitgliedern gewählt, sondern von Moskau bestimmt werden. Die "Bewegung" ist der staatlichen Einrichtung "Rußländisches Kinder- und Jugendzentrum" unterstellt, welcher für den Aufbau der "Bewegung" die nötigen Finanz- und Sachmittel zur Verfügung gestellt werden.

Kennzeichen der "Bewegung" sind das rote Halstuch und der Wahlspruch „Immer bereit“, der sämtlichen Schülern der Sowjetunion und der DDR vertraut ist: Das waren die Hauptzeichen der Pionierorganisationen beider Länder, womit auch auf symbolischer Ebene klar wird, welche Tradition hier fortgesetzt wird - die des Totalitarismus, der bereits kleine Kinder erfassen und bearbeiten will.

kasparov.ru 17.06.2016

Dienstag, 12. April 2016

Those were the days

Höchst interessant: Die Geschichte des Liedes "Дорогой длинною", das Paul McCartney 1968 in der englischen Fassung für Mary Hopkin produzierte, von Andrej Schipilow auf kasparov.ru am 11.04.2016.

Mittwoch, 30. März 2016

Putins Rußland: Flugzeugabstürze

In Rußland stürzen so regelmäßig Flugzeuge ab, daß es sich lohnt, ein Verzeichnis dazu anzulegen und regelmäßig zu ergänzen.
  • 04.06.2015 MiG-29 (Jagdflugzeug), bei Astrachan, Rettung der Besatzung durch Schleudersitz
  • 14.07.2015 Tu-95 (Bombenflugzeug), Chabarowskij Kraj, Rettung der Besatzung
  • 25.01.2016 MiG-31 (Jagdflugzeug), Krasnojarskij Kraj, Rettung der Piloten durch Schleudersitz
  • 19.03.2016 Boeing 737-800 (Zivilflugzeug), Rostow a. D., Tod aller 62 Passagiere und Besatzungsmitglieder
  • 30.03.2016 Su-25 (Kampfflugzeug), Primorskij Kraj, Rettung des Piloten durch Schleudersitz, Absturz auf Dorf, Zerstörung landwirtschaftlicher Gebäude, kein Personenschaden
  • 09.06.2016 Su-27 (Jagdflugzeug), Moskauer Oblastj, Tod des Piloten, Absturz im Wald
  • 01.07.2016 IL-76 (Transportflugzeug), Irkutsker Oblastj, Tod aller 10 Besatzungsmitglieder
  • 25.12.2016 Tu-154 (Verkehrsflugzeug), über dem Schwarzen Meer, Tod aller 83 Passagiere (u. a. Propagandisten und Musiker) und 8 Besatzungsmitglieder
  • 11.02.2018 An-148 (Verkehrsflugzeug der Gesellschaft "Saratower Airlines"), bei Moskau, Tod aller 65 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder
Zudem kommt es wiederholt zu Unglücken von Militärflugzeugen, auch mit Todesfolgen, auf Flugplätzen, vor allem beim Landen.

Dienstag, 23. Februar 2016

Deutsche Deppen: Berliner Zeitung

Die Berliner Zeitung wird ihrem Ruf als gute Stütze des Putin-Regimes in Deutschland erneut voll gerecht. In der Ausgabe vom 23.02.2016 schreibt sie ganz oben auf Seite 3 in einer Reportage aus dem lettischen Daugavpils über die Bedrohung, die Rußland für Lettland darstellt: "Die russischsprachige Bevölkerungsgruppe gibt es hier schon länger als den lettischen Staat." Typische Putin-Propaganda: Fakten so auszuwählen und zu plazieren, daß sie den Interessen des russischen Regimes nutzen. Im Text ist dann noch von "Kriegserklärung gegen ein Fünftel der eigenen Bevölkerung" die Rede. Interessant wäre doch, ob die Berliner Zeitung genauso drucken würde: "Die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe gab es 1938 im Sudetengebiet schon länger als den tschechoslowakischen Staat."

Sonntag, 21. Februar 2016

Umberto Eco: Urfaschismus

Bei einer Vorlesung an der Columbia University, New York, am 24.04.1995 anläßlich des 50. Jahrestages des Endes des 2. Weltkriegs führte der italienische Schriftsteller Umberto Eco 14 Punkte aus, die aus seiner Sicht den "Urfaschismus" kennzeichnen.
  1. Traditionskult.
  2. Ablehnung der Moderne - nicht moderner Technik, wohl aber modernen Denkens und moderner Werte.
  3. Mißtrauen gegenüber dem Intellekt und dem Denken; Kult der Aktion um der Aktion willen.
  4. Differenzierung wird als Verrat betrachtet.
  5. Ablehnung von Fremden und Fremdem; Grundveranlagung zum Rassismus.
  6. Appell an die enttäuschte Mittelklasse angesichts einer Wirtschaftskrise.
  7. Mythos, das Land sei von Feinden umgeben.
  8. Feinde werden gleichzeitig als stark (Gefahr!) und schwach (aber wir werden sie besiegen!) dargestellt.
  9. Leben ist Kampf, Pazifismus ist dementsprechend Verrat.
  10. Doppeltes Elitebewußtsein: Einerseits lebt jeder Bürger im besten Land der Welt, ist Teil des besten Volkes der Welt, andererseits führt die starke Hierarchisierung durch das Führerprinzip zu einem Elitebewußtsein, das die Bewunderung der Höhergestellten und Verachtung der Niedrigergestellten nach sich zieht.
  11. Heroisierung des Todes und Geringschätzung des Lebens der Untergebenen.
  12. Ablehnung der Gleichberechtigung der Frau, Verfolgung sexueller Minderheiten, Heroisierung der Waffe.
  13. Legitimität geht nicht mehr von einem Parlament, sondern von einem Führer aus.
  14. Vereinfachung der Sprache in Vokabular und Grammatik.
Jedem, der sich auch nur mittelgut im Putin-System auskennt, springen die fast völligen Übereinstimmungen mit dem gegenwärtigen Rußland ins Auge.

Die englische Fassung ist hier zu finden. Eine deutsche, gekürzte Übersetzung von Ecos Vorlesung wurde in der Zeit vom 07.07.1995 publiziert.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Putins St. Petersburg

Der Journalist Dmitri Sapolski spricht in einer Interviewserie mit der Internetseite Russischer Monitor (rusmonitor.com) sehr ausführlich über Putins Jahre im Machtapparat in St. Petersburg während der frühen und mittleren 1990er Jahre. Besonders gut wird das Geflecht von Stadtverwaltung, Sicherheitskräften und organisierter Kriminalität sichtbar, in das Putin wie auch alle anderen damals Beteiligten eingebunden waren. Ein Großteil der Personen, die heute einflußreiche Positionen auf Bundesebene innehaben, tummelten sich damals schon in Putins Umgebung: Tschubais, Iwanow, Setschin, Tschurow, Miller, Medwedjew und viele andere.

29.12.2015 Teil 1
11.01.2016 Teil 2 (besonders interessant)
19.01.2016 Teil 3

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Putins Rußland: 2015

  • 15.02.2015 Minsk II: Die erneute Kapitulation des Westens vor Putin mit Verrat an der Ukraine, entsprechend der Tradition des Münchener Abkommens von 1938.
  • 15.-18.02.2015 Eroberung der ukrainischen Stadt Debalzewo durch russisch-terroristische Einheiten entgegen dem gerade geschlossenen Abkommen Minsk II: Eine Reaktion des Westens blieb, wie nicht anders zu erwarten, aus.
  • 27.02.2015 Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow direkt vor dem Kreml: Falls der Auftrag für den Mord nicht direkt aus dem Kreml kam, so machte sich der Kreml dadurch mitschuldig, daß er die Mörder unbehelligt ließ.
  • 11.03.2015 Internationales Russisches Konservatives Forum: Unter diesem Tarnnamen treffen sich in St. Petersburg auf Einladung des Putin-Regimes die führenden Rechtsextremen einer Vielzahl europäischer Länder, darunter auch Vertreter der NPD.
  • 30.09.2015 Beginn des russischen Kriegseinsatzes in Syrien: Rußland will sowohl seinen Verbündeten Assad stärken als auch den Westen zu neuen Gesprächen manipulieren. Die Manipulation des Westens gelingt wie immer ausgezeichnet. Ungeachtet dessen, daß Rußland alles Mögliche mit Ausnahme des IS bombardiert (also Zivilbevölkerung, Lebensmittelmärkte, Krankenhäuser, moderate Assad-Gegner), wird es von westlichen Politikern als "Verbündeter" im Kampf gegen den IS anerkannt.
  • 22.11.2015 Energie-Blackout auf der Krim: Nachdem die Ukraine die Energielieferung in die von Rußland besetzte Krim eingestellt hatte (welcher Staat liefert schon dauerhaft Strom an den Kriegsgegner?), erwies sich, daß Rußland in den mehr als anderthalb Jahren der Okkupation noch keinerlei Schritte zur eigenständigen Energieversorgung der Halbinsel unternommen hatte. Bis Jahresende blieb die Stromversorgung prekär. Auch Krankenhäuser waren betroffen, lediglich die Einrichtungen der Sicherheitsdienste und Besatzungsarmee blieben gut versorgt. - Der Westen reagiert wie immer: Nicht auf den Aggressor und Okkupanten Rußland wurde Druck ausgeübt, sondern auf den Schwächeren, die Ukraine, damit sie die Stromversorgung an den Kriegsgegner wieder aufnehme.
  • 24.11.2015 Abschuß eines russischen Kriegsflugzeugs über türkischem Luftraum: Bei ihren Terroreinsätzen, die sich unter anderem gegen die in Syrien lebenden Türken richten, verletzten russische Kriegsflugzeuge wiederholt türkischen Luftraum. Alle Proteste der Türkei bleiben ohne Wirkung auf das russische Verhalten. Im Unterschied zu den anderen NATO-Staaten, deren Luftraum auch wiederholt von russischen Flugzeugen verletzt wurde, beläßt es die Türkei nicht bei Worten, sondern verleiht ihnen schließlich durch den Abschuß Nachdruck. Rußland gibt sich furchtbar beleidigt und verhängt, wie so gern, Sanktionen gegen sich selbst: Russen dürfen nicht mehr in der Türkei Urlaub machen, türkische Lebensmittel dürfen nicht mehr nach Rußland eingeführt werden, was der Inflation weiteren Auftrieb verleiht, und türkischen Firmen wird die Tätigkeit in Rußland untersagt. In der Folge bricht ein ganzer Wirtschaftszweig - die Tourismusindustrie - zusammen. Auch sonst gehen zehntausende Arbeitsplätze in Rußland verloren. Der Westen reagiert, wie nicht anders zu erwarten, so gut wie gar nicht auf die russische Aggression.
  • 01.12.2015 Tschajka-Enthüllungen: Die Stiftung für den Kampf gegen die Korruption legte die Ergebnisse gründlicher Forschungen vor und wies nach, daß die Familie des russischen Generalstaatsanwalts Juri Tschajka engste Verbindungen mit der organisierten Kriminalität (Zapok-Bande) unterhält. Die russische Regierung ignoriert die Enthüllungen. Die Klagen der Stiftung gegen Tschajka werden von russischen Gerichten nicht zur Verhandlung angenommen.
  • Dezember 2015 ВЭБ vor dem Bankrott: Die Außenwirtschaftsbank (Внеш Эконом Банк) kann die fällig werdenden Auslandsschulden in Höhe von insgesamt 6 Milliarden US-Dollar nicht mehr aus eigener Kraft zurückzahlen. In diese Situation kam die Bank, weil sie von der Regierung seit Jahren als Müllhalde für toxische Werte, für die Vergabe von höchstkritischen Olympiakrediten, für die Übernahme nicht rettbarer Privatbanken und - bis Anfang 2014 - für die verdeckte Übernahme ukrainischer Unternehmen im Donbass verwendet wurde. Diese riesigen Verluste akkumulierten sich und ließen sich nicht länger verstecken, zumal die ВЭБ auf der Sanktionsliste des Westens steht und keine neuen Kredite von dort erhalten kann. Die russische Regierung hat beschlossen, die Bank vorerst durch die Finanzierung jeweils aktuell fällig werdender Verbindlichkeiten aus Steuermitteln in der bisherigen Form am Leben zu erhalten. (Die Bank war auch schon 2014 in jämmerlichem Zustand und wurde bereits damals staatlich gestützt - siehe Sergej Alexaschenko, 24.09.2014. Seitdem hat sich der Umfang der schwierigen Verbindlichkeiten vervielfacht.)